Highlands & Steel 2026 · Persönlicher Rennbericht
Mein Weg ins Ultracycling
Von sechs Monaten Vorbereitung, den ersten rund 100 Kilometern und der Entscheidung, das Rennen aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig zu beenden.
Rennfakten
Highlands & Steel 2026
- Offizielle Distanz
- 573 km
- Höhenmeter
- rund 5.590 hm
- Start
- Startort
- Phoenix-West, Dortmund
- Format
- Unsupported Ultracycling
- Teilnehmende
- rund 160 Solo- und Teamfahrende
- Silas
- Rennende nach ungefähr 100 km aus gesundheitlichen Gründen
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Mein Weg ins Ultracycling
573 Kilometer, rund 5.590 Höhenmeter und ein Fahrrad. Dazwischen Berge, Schotterwege, Straßen, Städte, Seen, Dunkelheit und wahrscheinlich irgendwann die Frage, warum man sich das eigentlich freiwillig antut. Genau das war Highlands & Steel; und vor einem halben Jahr hätte ich selbst wahrscheinlich noch nicht geglaubt, dass ich einmal an der Startlinie eines solchen Events stehen würde.
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Was Unsupported Ultracycling bedeutet
Highlands & Steel gehört zum sogenannten Unsupported Ultracycling. Dabei geht es um Distanzen, die weit über eine gewöhnliche Radtour hinausgehen. „Unsupported“ bedeutet gleichzeitig, dass man unterwegs auf sich selbst gestellt ist. Es gibt kein Begleitfahrzeug, das einem Essen, Getränke oder Ersatzteile reicht, und keine klassischen Verpflegungsstationen wie bei vielen anderen Rennen. Was man unterwegs braucht, trägt man entweder selbst am Fahrrad oder besorgt es sich an Tankstellen, Bäckereien und Supermärkten entlang der Strecke. Auch bei technischen Problemen muss man zunächst selbst eine Lösung finden.
Highlands & Steel verbindet diese Herausforderung mit einer besonderen Strecke. Gestartet wird auf dem Phoenix-West-Gelände in Dortmund. Von dort führt die Route hinaus aus dem Ruhrgebiet und hinein in die bergigen Regionen des Sauerlands, unter anderem über Winterberg, Schmallenberg, Plettenberg, Finnentrop und Attendorn. Später geht es zurück in Richtung Ruhrgebiet und damit in eine völlig andere Landschaft: alte Industrieanlagen, Städte wie Bochum, Essen, Duisburg, Bottrop und Gelsenkirchen und dazwischen immer wieder Flüsse und Seen wie Möhne-, Sorpe- und Biggesee, Ruhr und Lenne. Natur, Berge und Industriekultur wechseln sich auf diesen 573 Kilometern ständig ab.
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Sechs Monate Vorbereitung
Dass ich ausgerechnet bei einem solchen Event einmal starten würde, hatte sich lange Zeit nicht unbedingt abgezeichnet. Der Gedanke, mit dem Fahrrad einmal wirklich auf Distanz zu gehen, an meine eigenen Grenzen zu kommen und diese vielleicht sogar ein Stück zu verschieben, begleitet mich schon seit einigen Jahren. Umsetzen konnte ich ihn lange nicht wirklich. Mit meinem alten Mountainbike waren längere Touren nur begrenzt möglich und vor allem meine Fitness setzte mir ziemlich schnell Grenzen. 20 oder 25 Kilometer waren für mich damals schon eine richtige Fahrradtour ans Limit. Anfang diesen Jahres kam dann irgendwann der Punkt, an dem ich mir dachte, wenn ich diesen Traum wirklich verfolgen möchte, muss ich irgendwann einfach anfangen. Also meldete ich mich ziemlich spontan für Highlands & Steel an, doch dabei gab es einen Haken: Zu diesem Zeitpunkt besaß ich noch nicht einmal ein Fahrrad, das für ein solches Event geeignet gewesen wäre. Damit hatte ich ungefähr sechs Monate Zeit, um aus einer Idee irgendwie Realität werden zu lassen. Und diese sechs Monate wurden am Ende wahrscheinlich mindestens genauso wichtig wie das eigentliche Event.
Ich begann, meine Distanzen Stück für Stück zu steigern. Aus 20 Kilometern wurden 50, irgendwann 100 und später 150 Kilometer. Insgesamt kamen während meiner Vorbereitung rund 1.500 Kilometer, 12.000 Höhenmeter und etwa 90 Stunden auf dem Fahrrad zusammen. Gleichzeitig verlor ich rund 20 Kilogramm Körpergewicht und merkte, wie meine Ausdauer immer besser wurde. Strecken, die sich wenige Monate vorher noch wie eine riesige Aufgabe angefühlt hatten, wurden irgendwann zu normalen Trainingstouren. Dabei ging es aber längst nicht nur darum, möglichst viele Kilometer zu sammeln. Ich musste lernen, was auf langen Strecken überhaupt funktioniert. Welche Kleidung brauche ich? Wie viel Reifendruck fahre ich? Was nehme ich an Werkzeug mit? Wie navigiere ich über viele Stunden? Wie sitze ich auf dem Fahrrad, ohne nach einigen Stunden nur noch Schmerzen zu haben? Wie und wann muss ich mich verpflegen? Eine der wichtigsten Generalproben war schließlich eine Nachtfahrt über knapp 200 Kilometer. Ich startete gegen 17 Uhr und kam morgens gegen 7 Uhr wieder an. Damit konnte ich zum ersten Mal testen, wie es sich anfühlt, eine komplette Nacht auf dem Fahrrad zu verbringen. Beleuchtung, Navigation, Kleidung, Ernährung und das eigene Konzentrationsvermögen. All das, was bei Highlands & Steel funktionieren musste, konnte ich dort zumindest einmal unter annähernd ähnlichen Bedingungen ausprobieren. Je näher das Event rückte, desto mehr hatte ich deshalb das Gefühl, dass ich zwar ganz sicher noch kein erfahrener Ultracyclist bin, aber ich in diesen sechs Monaten das getan habe, was ich tun konnte.
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Der Starttag
Und dann war er plötzlich da, der Starttag. Die letzten Stunden vor dem Event waren eine ziemlich seltsame Mischung aus Nervosität, Euphorie und Unsicherheit. Ich hatte meine Ausrüstung getestet, kannte mein Fahrrad, hatte einen Plan für meine Ernährung und wusste ungefähr, wo ich mich unterwegs versorgen wollte. Aber wie sich 573 Kilometer wirklich anfühlen würden, konnte mir natürlich keine Trainingsfahrt beantworten. Vor allem war ich aber froh, dass es endlich losging. Meine Familie war vor Ort und begleitete mich beim Start und während des Events. Gleichzeitig saßen viele Verwandte und Freunde zu Hause und verfolgten über das Live-Tracking, wo ich mich gerade befand. Zu wissen, dass dort Menschen immer wieder auf diesen kleinen Punkt auf der Karte schauten und mitfieberten, war schon vor dem Start ein ziemlich besonderes Gefühl. Auch die Stimmung unter den Fahrerinnen und Fahrern hat mich beeindruckt. Insgesamt waren rund 160 Personen als Solo- oder Teamfahrende dabei. Trotzdem hatte das Ganze für mich überhaupt nicht die Atmosphäre eines klassischen Rennens, bei dem alle nur ihre Konkurrenz im Blick haben. Stattdessen standen wir dort, schauten uns gegenseitig die Fahrräder an und unterhielten uns über Taschen, Beleuchtung, Reifen und Strategien. Man sprach über die eigenen Pläne, aber genauso über Ängste und Unsicherheiten. Menschen, die sich vorher noch nie gesehen hatten, motivierten sich gegenseitig für eine Herausforderung, bei der letztendlich jeder vor allem gegen die Strecke und irgendwann wahrscheinlich auch gegen sich selbst fährt.
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Die ersten Kilometer
Dann fiel der Startschuss und die ersten Kilometer liefen besser, als ich es mir vorgestellt hatte. Mein Fahrrad funktionierte. Meine Ernährung funktionierte. Das Tempo fühlte sich gut an. Und selbst die Sitzprobleme, über die ich mir während der Vorbereitung so viele Gedanken gemacht hatte, spielten plötzlich überhaupt keine Rolle. Ich fühlte mich fit. Eigentlich hatte ich auf diesen ersten Kilometern das Gefühl, dass der Plan der letzten sechs Monate tatsächlich aufging.
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Als sich die Atmung veränderte
Eine kleine Sache beschäftigte mich allerdings schon vor dem Start. In der Nacht davor hatte ich eine leichten Schnupfen entwickelt. Nichts Dramatisches und nichts, weshalb ich zu diesem Zeitpunkt darüber nachgedacht hätte, nicht zu starten. Nach ungefähr 60 Kilometern bekam ich zudem Seitenstechen, was mir zunächst nicht besonders ungewöhnlich erschien und wie die laufende Nase bestimmt aushaltbar gewesen wäre. So etwas kann schließlich passieren. Kurz darauf begann sich jedoch meine Atmung immer stärker zu verändern. Das Einatmen fiel mir zunehmend schwer. Und irgendwann war es plötzlich nicht mehr meine Kondition, die mich ausbremste. Meine Beine hätten weiterfahren können, aber ich bekam schlicht nicht mehr vernünftig Luft. Selbst auf geraden Streckenabschnitten musste ich teilweise anhalten oder vom Fahrrad steigen und schieben. Zwischendurch wurde es immer wieder besser. Doch sobald wieder etwas Belastung dazukam, begann dasselbe Spiel von vorne und jedes Mal wurde es ein Stück schlimmer.
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Die Entscheidung aufzuhören
Nach ungefähr 100 Kilometern und gegen 23 Uhr kam schließlich der Punkt, an dem ich eine Entscheidung treffen musste. Zur Atemnot kamen mittlerweile Schwindel, Übelkeit und Brechreiz hinzu. Nachdem ich angehalten hatte, hatte ich noch lange Probleme, meine Atmung wieder unter Kontrolle zu bekommen und hyperventilierte. So etwas beziehungsweise Vergleichbares hatte ich während der gesamten Vorbereitung kein einziges Mal erlebt. Und genau das war für mich letztendlich der entscheidende Punkt. Ich wusste nicht, was gerade mit meinem Körper passierte. Ich wusste nicht, warum ich plötzlich so schlecht Luft bekam, und ich konnte nicht einschätzen, was passieren würde, wenn diese Beschwerden einige Kilometer später irgendwo nachts erneut auftreten würden. Also blieb mir in diesem Moment keine andere Wahl, als das Event zu beenden, was mir mental auch ziemlich schwerfiel. Vor mir lagen noch mehr als 470 Kilometer, auf die ich mich ein halbes Jahr vorbereitet hatte. Ich hatte mich darauf gefreut, durch die Nacht zu fahren, irgendwann am nächsten Morgen mitten im Sauerland zu sein, mich von Versorgungspunkt zu Versorgungspunkt vorzuarbeiten und am Ende wieder in Dortmund anzukommen. Aber in diesem Moment war es nicht entscheidend, wie sehr ich weiterfahren wollte. Weiterzufahren, obwohl ich nicht einschätzen konnte, was mit meiner Atmung passierte, wäre schlicht keine vernünftige Entscheidung gewesen.
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Was von Highlands & Steel bleibt
Mein Vater holte mich schließlich ab und brachte mich zurück in unsere Unterkunft. Die Ursache der Beschwerden ist für mich bis heute nicht abschließend geklärt. Ob die beginnende Erkältung dabei eine Rolle gespielt hat oder etwas anderes dahintersteckte, kann ich deshalb momentan nicht sagen. Natürlich war ich zunächst enttäuscht, aber mit etwas Abstand überwiegt inzwischen aber ein anderes Gefühl. Denn ich stand schließlich nicht zufällig an dieser Startlinie. Und ausgerechnet während des Events funktionierten genau die Dinge, über die ich mir vorher die meisten Sorgen gemacht hatte: mein Tempo, die Ernährung, meine Ausrüstung und sogar meine Sitzposition. Ich hatte nicht das Gefühl, dass mir nach 100 Kilometern die Kraft ausging. Ich musste wegen eines Problems aufhören, das ich vorher weder kannte noch einschätzen konnte. Deshalb bereue ich die Entscheidung auch nicht. Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus Highlands & Steel ist für mich vielleicht sogar, dass es beim Ultracycling nicht nur darum geht, um jeden Preis weiterzufahren. Die eigene Grenze zu suchen bedeutet auch, zu erkennen, wann eine Situation nicht mehr einschätzbar ist. An diesem Abend war Aufhören für mich die richtige Entscheidung.
„An diesem Abend war Aufhören für mich die richtige Entscheidung.“
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Wie es weitergeht
Gleichzeitig hat das Event mir noch etwas anderes gezeigt: Ich bin mit diesem Sport ganz sicher noch nicht fertig. Denn obwohl das Wochenende vollkommen anders endete, als ich es geplant hatte, hätte ich mich am nächsten Tag am liebsten schon wieder auf mein Fahrrad gesetzt. Highlands & Steel möchte ich deshalb definitiv noch einmal fahren und irgendwann diese 573 Kilometer bis zum Ende erleben. Ob das bereits im kommenden Jahr sein wird, weiß ich noch nicht. Vielleicht steht vorher erst einmal ein etwas kleineres Gravel-Rennen wie das GRIT in Regensburg an. Auch ein unterstütztes Langstreckenrennen auf der Straße, zum Beispiel das Race Across Germany von Eschwege nach Görlitz, reizt mich sehr. Denn trotz des frühen Endes hat mir Highlands & Steel bestätigt, was während der Vorbereitung immer deutlicher geworden ist: Genau diese Art des Radfahrens macht mir Spaß. Lange unterwegs sein, neue Strecken entdecken, planen, improvisieren, an schwierige Punkte kommen und herausfinden, wie weit man tatsächlich fahren kann.
Das Ziel ist deshalb eigentlich noch dasselbe wie vor sechs Monaten: Weiterfahren, neue Grenzen kennenlernen und sie Stück für Stück verschieben. Vielleicht ist das auch die wichtigste Erkenntnis aus diesem ganzen Projekt. Erfolg lässt sich nicht immer nur daran messen, ob man am Ende über eine Ziellinie fährt. Natürlich wäre ich unglaublich gerne nach 573 Kilometern wieder in Dortmund angekommen. Aber wenn ich überlege, wo ich ein halbes Jahr vorher angefangen habe, dann liegen zwischen diesen ersten 20-Kilometer-Touren und der Startlinie von Highlands & Steel Welten.
Und darauf bin ich stolz.
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Danke
Zum Schluss möchte ich mich vor allem bei meiner Familie, meinen Freunden und allen bedanken, die mich auf diesem Weg begleitet haben. Bei denen, die während meiner Vorbereitung immer wieder nachgefragt und mich motiviert haben. Bei denen, die beim Start dabei waren. Bei allen, die während des Rennens zu Hause vor dem Live-Tracking saßen, Nachrichten geschrieben und mitgefiebert haben. Diese Unterstützung hat das ganze Projekt für mich noch einmal besonderer gemacht.
„Beim ersten Versuch hat Highlands & Steel gewonnen. Aber wir sehen uns wieder.“